Ist der Wunschkaiserschnitt das Beste für mein Baby?

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Unser Glaube an die Technik scheint manchmal schier grenzenlos. Wie sonst ist es zu erklären, dass junge gesunde Frauen die normale vaginale Geburt scheuen und sich eine Entbindung durch Kaiserschnitt wünschen? Jede dritte Frau entbindet bei uns schon durch das Messer, Tendenz steigend.

Dabei ist sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sicher, dass bei maximal 10% aller Schwangeren die medizinische Begründung für eine Kaiserschnittentbindung besteht. Aber was sind das für „weiche“ Indikationen?

Das Alter bei der ersten Schwangerschaft ist in den letzten Jahrzehnten deutlich angestiegen. Eine 40-jährige Erstgebärende geht längst nicht so locker mit einer Schwangerschaft um wie eine 25-jährige. Die Körpergewebe sind nicht mehr so elastisch. Die Frauen fürchten, dass ihr Beckenboden zu sehr in Mitleidenschaft gezogen werden könnte, was einen ungünstigen Einfluss auf das Sexualleben haben könnte. Auf Grund des fortgeschrittenen Alters oder nach Fruchtbarkeitsbehandlungen müssen viele Frauen davon ausgehen, dass es vermutlich bei einer Schwangerschaft bleiben wird. Und wenn sie sich dann vorstellen, was bei einer normalen Entbindung alles an Unvorhergesehenem geschehen kann, so ist frau leicht geneigt, das vermeintlich geringere Risiko in Form eines Kaiserschnitts zu wählen.

Dass dem ein Denkfehler zugrunde liegt, wird auch von den Ärzten gerne verschwiegen. Sie gehen wirklich mit der Kaiserschnittentbindung ein geringeres Risiko ein: der Zeitpunkt der Entbindung ist gut planbar, so dass genügend Personal zur Verfügung steht, die Dauer des Eingriffs ist deutlich kürzer als bei einer vaginalen Entbindung, die Operation wird besser bezahlt als die normale Geburt und schließlich wird es selten Grund für eine gerichtliche Auseinandersetzung geben, denn man hat ja das Beste für Mutter und Kind getan.

Groß angelegte aktuelle Studien der letzten Jahre zeigen allerdings, dass die normale Entbindung sowohl für die Mütter als auch für die Babys und ihre weitere Entwicklung deutlich vorteilhafter ist als ein Kaiserschnitt. Die Mütter erholen sich nach der normalen Geburt rascher, sie können besser stillen, fühlen sich psychisch besser und gehen selbstbewusst und gestärkt aus dem besonderen Geburtserlebnis heraus. Die vaginal entbundenen Babys müssen seltener auf die Intensivstation verlegt werden, sie haben seltener Atem- und Herzkreislaufprobleme, sie leiden als Kinder seltener unter Asthma und Übergewicht und erkranken später seltener an Diabetes und Autoimmunkrankheiten. Die Gründe für diese Unterschiede zwischen Wunschkaiserschnitt und normaler Geburt können Sie hier im Einzelnen nachlesen: http://www.netzwerk-frauengesundheit.com/kampagne-zur-senkung-der-kaiserschnittrate-in-deutschland%E2%80%93-aufruf-zur-unterstutzung/

Der Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V. (AKF) unterstützt die Bedenken der WHO. Ein Kaiserschnitt ohne medizinische Indikation ist mit höheren Risiken verbunden als eine Vaginalgeburt und keineswegs sicherer für Mutter und Kind. Der AKF hat eine Kampagne ins Leben gerufen, um werdende Eltern besser zu informieren. Er fordert strukturelle Reformen, damit Schwangere genügend Einrichtungen angeboten bekommen, die ihnen eine ruhige geschützte und risikoarme natürliche Geburt ermöglichen. Die Kooperation zwischen Hebammen und Ärzten soll gestärkt werden. Unterstützen auch Sie diese Kampagne mit Ihrer Unterschrift!