Elektrosmog und Gesundheit – Interview mit Barbara Newerla

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Barbara Newerla ist die Frau hinter dem Blog elektrosmog-und-gesundheit.de. Für Stichwort Gesund hat die erfolgreiche Autorin sich die Zeit genommen um den Zusammenhang von Strahlenbelastung und Gesundheit zu erläutern und einfache, leicht umsetzbare Tipps zu geben.

 

Hallo Frau Newerla. Auf Ihrer Website elektrosmog-und-gesundheit.de klären Sie über die gesundheitlichen Folgen von Strahlung und Elektrosmog auf. Bereits im Jahr 2003 haben Sie Ihr erstes Buch zu diesem Thema geschrieben. Seitdem haben Sie sich immer mehr als Expertin auf dem Gebiet etabliert. Wie sind Sie das erste Mal mit der Thematik in Berührung gekommen?

Das muss so Ende der 90er Jahre gewesen sein. Mit dem Ausbau der Mobilfunknetze schossen die Sendemasten wie Unkraut aus dem Boden und lösten eine erste Diskussion um die Schädlichkeit der Strahlung und die Standortwahl aus. Mein Mann und ich waren damals schon im Bereich „Gesund Wohnen“ engagiert. Dann kam ein Freund auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht ein Buch zum Thema schreiben wolle. Einen interessierten Verlag gab es auch schon und so nahmen die Dinge ihren Lauf…

Dass mich das Thema dann so lange begleiten würde, war damals noch gar nicht abzusehen. Ich recherchierte fast zwei Jahre für dieses Buch und mit jeder neuen Information wuchs das Interesse und das Bewusstsein für die Notwendigkeit über diese Thematik weiter zu informieren.

 

Sie legen bei Ihrer Berichterstattung großen Wert auf Wissenschaftlichkeit und verweisen auf Studien und Forschungsergebnisse. Was waren die wichtigsten Erkenntnisse der letzten Jahre?

Apropos Wissenschaftlichkeit: Ich finde es immens wichtig auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben, denn beide Seiten, sowohl Befürworter wie Gegner der modernen Funktechnik, neigen mitunter leider dazu mehr emotional als sachlich zu argumentieren. Panikmache auf der einen und Verharmlosung, beziehungsweise gezielte Desinformation, auf der anderen Seite bringen uns letztendlich nicht weiter und führen dann oft zu einer großen Verwirrung und Verunsicherung in der Bevölkerung bezüglich der realen Fakten.

Eine der wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahre ist meiner Meinung, dass man einen möglichen Wirkmechanismus der Strahlung ausfindig machen konnte.

Die bisherige Argumentation der Funkbefürworter und die Grundlage unserer Grenzwerte stellt die These dar, dass Schäden durch nichtionisierende hochfrequente Strahlung, wie sie bei den modernen Funktechniken eingesetzt wird, ausschließlich durch Erwärmung des Gewebes entstehen können (sogenannte thermische Wirkung).  Die bisherige Theorie ist, dass die Energiemenge der Funkstrahlung viel zu gering sei und in einem Bereich liegt, wie er auch durch die Eigenbewegung der Körpermoleküle selbst erzeugt wird.  Fazit: Es kann nach physikalischen Kriterien unterhalb der Grenzwerte gar keine Wirkung geben.

Physik und Biologie kommen allerdings manchmal zu unterschiedlichen Ergebnissen: Beobachtet man biologische Systeme, wie Menschen, Tiere und Pflanzen, stellt man empirisch etwas ganz anderes fest. Das Problem war aber bisher, dass man sich dafür keinen Wirkmechanismus erklären konnte und solange man  nicht weiß wie etwas funktioniert, hat man in der Welt der Wissenschaft ein Problem.

Das hat sich nun glücklicherweise geändert. Neuere Studien zeigen, dass elektromagnetische Felder im Organismus vermehrt freie Radikale, also sogenannten oxidativen Stress, erzeugen. Dieser wird heute für ein breites Spektrum akuter und vor allem chronischer Erkrankungen verantwortlich gemacht: Zum Beispiel Burnout, Chronisches Erschöpfungssyndrom, Immundefizite, Krebs, Multiple Sklerose, Parkinson und Amyotrophe Lateralsklerose, Arteriosklerose und koronare Herzkrankheiten. (Mehr Infos dazu: http://www.elektrosmog-und-gesundheit.de/symptome/burnout-durch-handystrahlung.html)

 

Warum findet die negative Wirkung von Strahlung und Elektrosmog in der Öffentlichkeit immer noch zu wenig Beachtung?

Dafür gibt es meines Erachtens mehrere Gründe. Der eine liegt in unserer menschlichen Natur, der andere in handfester Wirtschaftspolitik und Lobbyarbeit der Industrie.

Die Möglichkeiten der drahtlosen Technik sind zugegebenermaßen faszinierend und nicht zuletzt auch oft einfach praktisch. Smartphones und Tablet-PCs sind, neben ihrem praktischen Nutzen, auch einfach tolle Spielzeuge, vor allem für technikbegeisterte Männer. Immer und überall kommunizieren  zu können und Zugang zum Internet zu haben ist cool. Hat man wenig Wissen über die technischen Hintergründe und möglichen Auswirkungen der Strahlung, fällt es leicht die Gefahren zu ignorieren. Besonders, da man diese Art von Strahlung in der Regel nicht direkt wahrnimmt.

Die Erfahrungen der Geschichte zeigen außerdem: meist siegen Emotionen über die Vernunft. Solange es nicht wirklich schmerzt, das heißt spürbare Symptome auftreten, gewinnt der Spaßfaktor der drahtlosen Technik locker die Oberhand über mögliche Bedenken bezüglich der Gesundheit. Dazu kommt der Druck der Gruppe. Denn wer will sich schon als Weichei und Spielverderber outen? Jeder weiß doch, dass das Alles völlig unschädlich ist…

Zu all dem kommt dann noch gezieltes Marketing und Lobbyarbeit der Industrie. Trends und Meinungen werden bewusst gesteuert. Studien werden unterdrückt, verschwinden in der Schublade. Die Politik hält ebenfalls still. Die meisten Politiker würden wahrscheinlich ihre Großmutter verkaufen, wenn es darum geht der Wirtschaft nur keinen Schaden zuzufügen und Arbeitsplätze zu sichern (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Auch die Medien können ihrer Aufgabe sachliche Information und Hintergründe zu liefern immer weniger gerecht werden. Redakteure sind selbst vielleicht technikbegeistert und haben inzwischen oft wenig Zeit zu recherchieren und zu hinterfragen. So schaffen es vorfabrizierte Meinungen bestimmter Interessengruppen immer wieder mehr oder weniger ungefiltert in die Veröffentlichung. Diese werden dann von anderen aufgegriffen und als Tatsachen weiterverbreitet.

Alles zusammen ergibt das dann eine verhängnisvolle Kombination: Politiker und Industrie mit ihren wirtschaftspolitischen und kommerziellen Interessen und Menschen, die oft gerne glauben was man ihnen erzählt. Die einfach ein bisschen Spaß haben möchten und auch ansonsten genug andere Probleme, als dass sie sich gerne mit schwierigen physikalischen und medizinischen Fragen auseinandersetzen.

 

Als Schutz vor Elektrosmog werden viele Produkte und Dienstleistungen angeboten, da verliert man als Verbraucher leicht den Überblick. Welche Gegenmaßnahmen empfehlen Sie und wo muss man sich vor nutzlosem Hokuspokus in Acht nehmen?

Gegen Elektrosmog hilft vor allem Eines: abschalten. Strahlung senken, bzw. vermeiden, wo es geht. Dort wo man keinen Einfluss hat, bleibt einem nichts anderes übrig als abzuschirmen. Dazu gibt es spezielle Materialien im Fachhandel. Das im Einzelnen hier auszuführen, würde allerdings den Rahmen sprengen. Ich kann hier nur so viel sagen: Man kann meist ohne viel Aufwand jede Menge tun um Strahlung zu vermeiden und sich zu schützen. Das man sowieso nichts machen kann, ist ein Märchen.

Mein E-Book „Tips und Tricks im Umgang mit Handy, Schnurlostelefon, WLAN und Co.“ beschreibt zum Beispiel ganz praktisch was man genau tun kann und wie es funktioniert. Ich habe es als praktische Anleitung geschrieben, als ich festgestellt habe, dass viele Menschen über die einfachsten Dinge bezüglich Strahlung und deren Vermeidung nicht Bescheid wissen. Das können also auch technische Laien ganz einfach und kostengünstig umsetzen.

Wenn man Hilfe in Anspruch nehmen möchte oder muss, sollte man sich an einen ausgebildeten Baubiologen, der auf Elektrosmog spezialisiert ist, wenden. Qualifizierte Meßtechniker und Berater findet man am besten über die Verbände VDB, „Verband deutscher Baubiologen“ oder IBN,  „Institut für Baubiologie Neubeuren“.

Von esoterischen Entstörmethoden, Chips und Plaktetten, z.B. fürs Handy möchte ich dringend abraten. Ihre Wirkweise ist meist nicht nachvollziehbar und sie reduzieren die Strahlung nicht.

 

Kinder sind anfälliger für schädliche Umwelteinflüsse. Was sollte hier besonders beachtet werden um langfristige Folgen zu vermeiden?

Kinder und Jugendliche sind aufgrund ihres noch nicht vollständig entwickelten Nervensystems und ihrer dünneren Schädeldecke besonders gefährdet. Sie sollten möglichst gar nicht mit dem Handy oder Smartphone telefonieren. Wenn doch, sollten sie auf jeden Fall die Freisprechfunktion oder ein spezielles Headset mit Kabel nutzen, das die Strahlung nicht ins Ohr weiterleitet.

 

Haben Sie einen Tipp für uns, mit dem Jeder schnell und einfach die Strahlenbelastung im eigenen Heim verringern kann?

Zwei Dinge kann man ganz einfach umsetzen:

Erstens: Das Schnurlostelefon durch eines ersetzen, das nur strahlt, wenn telefoniert wird. Besonders zu empfehlen sind hier die Telefone von „Swissvoice“. Sie schalten zuverlässig ab, wenn man den ECO+ – Modus benutzt.

Zweitens: WLAN möglichst vermeiden oder nur einschalten, wenn es tatsächlich gebraucht wird. Eine strahlungsärmere Alternative ist ein Stromleitungsnetzwerk (dLAN, Powerline). Aber auch das strahlt über alle Hausstromleitungen ab und sollte ausgeschaltet werden, wenn man es nicht braucht.

Allein diese beiden Maßnahmen helfen bereits einen Großteil der heutigen häuslichen Strahlenbelastung zu vermeiden. Ihre Gesundheit wird es Ihnen danken.

 

Vielen Dank für das nette Gespräch.

Noch mehr Informationen zum Thema Elektrosmog gibt es auf elektrosmog-und-gesundheit.de. Auch einige kostenlose Broschüren können dort als PDF heruntergeladen werden (http://www.elektrosmog-und-gesundheit.de/bucher-und-broschuren)