Gesund ernähren – oder doch nicht?

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obstgemuese

Nichts erregt die Gemüter so sehr, wie die Frage nach der richtigen, gesunden Ernährung. Ausgewogen soll sie sein, am besten vegetarisch und nicht zu viel Fette oder Salze enthalten. Was davon ist wahr – und was ist bloße Meinung?

Die Gesundheit ist den Deutschen wichtig. 64 Prozent der Bundesbürger sind der Ansicht, dass „ungesunde Lebensmittel“ verboten gehören. Doch – was sind „ungesunde Lebensmittel“? Und warum geben wir im Schnitt nur 11 Prozent unseres Einkommens für Nahrungsmittel aus? Noch vor 50 Jahren gaben anteilig viel mehr dafür aus, obwohl es damals nicht eine so große Auswahl an Obst und Gemüse in unseren Supermarktregalen gab. Der globale Handel hat es ermöglicht, dass wir, mithilfe modernster Kühlhäuser, fast das ganze Jahr über Südfrüchte genießen können. Umwelttechnisch eine Katastrophe, aber mit Vitaminen sind wir das ganze Jahr über versorgt.

Ist Bio gesünder?

Vor einiger Zeit hat eine Studie nachgewiesen, dass Milch von Biokühen gesünder ist, als die von „konventionell gehaltenen“ Tieren. Gemessen wurde ein höherer Anteil an positiven Omega-3-Fettsäuren. Bisher gibt es dafür keinen gegenteiligen Beweis, aber es gibt auch keine Studie, die solch ein Ergebnis für Obst oder Gemüse vorweisen kann. Die britische Food Standard Agency hat 2009 hunderte von Untersuchungen ausgewertet und kam zu dem Ergebnisse, dass in Bioprodukten nicht mehr Nährstoffe stecken. Dafür – und das ist der Grund für die meisten Menschen – stecken in ihnen weniger chemische oder künstliche Stoffe. Bioprodukte hingegen sind fast frei von Pestiziden.

Essen, was schmeckt

Aber sind wir nicht viel zu streng zu uns und unseren Ernährungsgewohnheiten? Gesunde Ernährung ist wichtig, aber sie kann nicht das Allheilmittel sein. So hat John Ioannidis, Professor für Umweltmedizin aus Havard, nachgewiesen, dass es keinen Krebsschutz durch Nahrungsmittel gibt. Der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer lehnt sich sehr weit aus dem Fenster und mahnt zur Entwarnung: Was gesunde Ernährung ist, ist auch kulturell abhängig. Im südlichen Voralpenland gibt es noch immer sehr viel Weidezucht, weshalb dort traditionell mehr Fleisch auf den Tisch kommt. Und auch das tägliche Glas Wein zum Abendessen wird bei uns als beginnender Alkoholismus verpöhnt, während es in Frankreich zu den normalen Essgewohnheiten zählt.

Geschmäcker sind verschieden

Hunger macht uns reizbar und jeder, der sich selbst auf Zwangsdiät setzt, ist auch für andere eine Belastung, so Pollmer weiter. Vielleicht haben wir wirklich verlernt, auf unseren Körper zu hören und sollten weniger auf die Medien und Meinungen von anderen geben. Es gibt eine Reihe von Rezepten mit Avocado, eine der gesündesten Früchte überhaupt, die allesamt lecker schmecken und gesund sind. Mit anderen Worten: Man sollte kein schlechtes Gewissen haben, wenn man sich auf appetitlich aussehenden Blogs, etwa der Geschmacksfabrik, rumtreibt und dort Rezepte nachkocht. Immerhin sollte man noch Spaß am Essen haben und sich nicht selbst geißeln. Denn genauso wichtig wie die körperliche ist die geistige Gesundheit. Auf die kann man auch einmal mit einem Glas Wein anstoßen.